Wohnraumanpassung - Finanzierung ab Pflegegrad 1

Renter-Paar sitze am Tisch und umarmt sich

Wohnraumanpassung – eine sinnvolle Maßnahme, wenn der häusliche Lebensraum den sich ändernden Ansprüchen des Alltagslebens nicht mehr genügt. Gehen mit dem Älterwerden körperliche Beeinträchtigungen einher, macht sich nicht selten wachsende Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit breit. In ein Alters- oder Pflegeheim umzuziehen (beziehungsweise einen Angehörigen dort unterzubringen), ist für viele Menschen keine Option, wie wir aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen wissen.

 

Seniorengerechte, wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen ermöglichen es, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben im nun barrierearmen Zuhause weiterzuführen. Auch können sie Wesentliches zur Erleichterung gegebenenfalls nötiger häuslicher Pflege beitragen. Eine (zumindest teilweise) Übernahme der Kosten durch die Pflegeversicherung sieht der Gesetzgeber vor: Mit einem Zuschuss von bis zu 4.000 Euro darf rechnen, wer einen entsprechenden Antrag bei der Pflegekasse stellt. Im Folgenden erläutern wir, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, welche Formen der Wohnraumanpassung förderungsfähig sind und wie Sie den Zuschuss beantragen.

Definition „wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen“ und was die Pflegekasse bezuschusst

Was ist zu tun, wenn die eigenen vier Wände sich zunehmend als unbequem und unpraktisch erweisen – oder sich sogar zur Gefahrenquelle auswachsen? Wenn es eine schiere Ewigkeit dauert, von einem Zimmer in ein anderes zu wechseln, weil die mittlerweile unentbehrliche Gehhilfe immer wieder im Türrahmen hängen bleibt? Oder wenn der Gang ins Bad mehr und mehr zum riskanten Balanceakt mutiert, weil die Füße auf den glatten Bodenfliesen keinen Halt mehr finden und die eigene Reaktionsfähigkeit nicht genügt, um einen Sturz zu verhindern?

„Die Pflegekasse kann für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5 auf Antrag bis zu 4.000 Euro als Zuschuss für Anpassungsmaßnahmen zahlen, die die häusliche Pflege in der Wohnung ermöglichen, erleichtern oder eine möglichst selbstständige Lebensführung der pflegebedürftigen Person wiederherstellen sollen (wohnumfeldverbessernde Maßnahmen). Ziel solcher Maßnahmen ist es auch, eine Überforderung der Pflegepersonen zu verhindern“, heißt es im „Online-Ratgeber Pflege“ des Bundesministeriums für Gesundheit.

Mithilfe von Zuschüssen durch die Pflegekasse lassen sich verschiedene wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen in Angriff nehmen – auch und vor allem solche, die mit baulichen Veränderungen einhergehen. Die folgende kurze Übersicht beleuchtet einige typische Gegebenheiten des Wohnumfelds, die durch bezuschusste Umbaumaßnahmen barrierearm gestaltet werden können.

  • Aufzug oder Treppenlift

Wer denkt in jungen Jahren schon darüber nach, dass die Treppe zum dritten oder vierten Stock sich im Lauf des Älterwerdens zum echten Problem auswachsen kann? Wenn es so weit ist, sorgt die Installation eines Personenaufzugs oder Treppenlifts für Abhilfe.

  • Ein Umzug

Liegt die Nachrüstung mit einem Aufzug nicht im Bereich des Möglichen, kann der Wechsel in eine Parterrewohnung anstehen – unter Umständen sogar mit einem Zuschuss von Seiten der Pflegekasse.

  • Vergrößerung der Bewegungsfreiheit

Oft braucht es breitere Türöffnungen, will man sich ungehindert mit einer Gehhilfe oder einem Rollstuhl in der Wohnung bewegen.

  • Sicherer Untergrund

Um die Gefahr von gefährlichen Stürzen zu minimieren (um Beispiel bei Nutzung eines Gehstocks oder von Krücken), kann es Sinn machen, einen zu glatten Bodenbelag durch einen rutschhemmenden zu ersetzen.

  • Barrierearmes Badezimmer

Vor allem in Bad und Toilette sind wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen so gut wie immer unumgänglich – vom Einbau eines gegebenenfalls höhenverstellbaren Waschtischs über den Austausch der üblichen Badewanne mit hohem Einstieg gegen eine Wanne mit Einstiegstüre oder gegen eine Dusche.

Wohnraumanpassung oder Erwerb von Hilfsmitteln?

Zwischen Wohnraumanpassung und dem Einsatz von Hilfsmitteln gibt es einen Unterschied: Die Kostenübernahme für letztere muss von der Krankenkasse genehmigt und übernommen werden. Das bedeutet: Kosten für vom Arzt empfohlene Hilfsmittel, die zum Beispiel die tägliche Körperpflege erleichtern und für mehr Sicherheit sorgen, aber keine Umbaumaßnahmen erfordern, erstattet die Pflegeversicherung nicht; hier springt im Normalfall die Krankenkasse ein.

Das betrifft zum Beispiel Sitzerhöhungen für vorhandene Toiletten, Einstiegshilfen für die Badewanne, Dusch- oder Badewannensitze, Badewannenlifter, Griffe zum gefahrlosen Setzen und Aufrichten und so fort. Für den Antrag zur Kostenübernahme benötigen Sie eine ärztliche Verordnung über jedes einzelne Hilfsmittel; die Krankenkasse entscheidet dann über die Genehmigung.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Antrag auf Zuschuss für wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen 

Der Paragraf 40 des Sozialgesetzbuchs, Elftes Buch, (§ 40 SGB XI) definiert die Bedingungen für eine finanzielle Förderung durch die Pflegekasse. Der Zuschuss für Maßnahmen zur Wohnraumanpassung ist möglich, wenn

  1. mindestens Pflegegrad 1 anerkannt ist – also bereits bei „geringen Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“, und
  2. die wohnumfeld-verbessernden Maßnahmen außerdem mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen:
  • Ohne die beantragten Umbauten ist häusliche Pflege überhaupt nicht möglich.
  • Die Maßnahmen vereinfachen die Pflege zu Hause erheblich und verringern die Belastungen für die(den) Pflegebedürftige(n) und die pflegende(n) Person(en).
  • Die Umbauten versetzen den Betroffenen in die Lage, sein Leben selbständiger zu führen.

Wir stellen für Sie die Anträge!

Sie haben einen Pflegegrad und wollen Leistungen für wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen beantragen? Seniovo übernimmt für Sie die Antragsstellung und die Kommunikation mit der Pflegekasse. Wir sorgen dafür, dass Sie die Zuschüsse erhalten, die Ihnen zustehen!

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Wo liegt die Höchstgrenze für den Zuschuss, und wie oft kann er beantragt werden?

Für jeden der Pflegegrade 1 bis 5 kann für eine wohnumfeld-verbessernde Maßnahme eine Förderung in Höhe von maximal 4.000 Euro erfolgen. Überschreiten die Kosten für eine Umbaumaßnahme den gewährten Höchstbetrag, so muss der Pflegebedürftige die Differenz selbst übernehmen.

Laut Definition der Pflegekassen besteht eine wohnumfeld-verbessernde Maßnahme aus der Gesamtheit aller Maßnahmen, deren Finanzierung zur selben Zeit – also im selben Antrag – gelistet werden. Unter Umständen ist es also von Vorteil, erforderliche Umbauten nicht auf einen Schlag, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten anzusetzen, um Fördermittel mehrfach in Anspruch nehmen zu können. Soweit die komplexe Darstellung.

Fallbeispiel

Eine Person mit anerkanntem Pflegegrad 1 bewohnt das ausgebaute Dachgeschoss eines ansonsten zweistöckigen Hauses. Im Grunde wäre eine begehbare Duschkabine hilfreich, ein dringlicheres Problem aber stellen die hohen Stufen des Treppenaufgangs dar. In diesem Fall macht es möglicherweise Sinn, lediglich die Förderung für den Einbau eines Treppenlifts zu beantragen, um diesen möglichst vollständig finanzieren zu können. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt größere Umbaumaßnahmen im Badezimmer erforderlich werden, um weiterhin eine eigenständige Körperhygiene zu gewährleisten, können Sie erneut einen Zuschuss beantragen. Sehr wahrscheinlich rechnet sich das unterm Strich mehr als eine Zusammenfassung aller gewünschten Maßnahmen zur Wohnraumanpassung in einem einzigen Antrag.

Diese Informationen/Daten sollten Sie im Antrag darlegen:

  • Ihren vollständigen Namen (beziehungsweise den der Person, für die Sie den Antrag stellen) sowie die Anschrift
  • die Versichertennummer
  • die Kontoverbindung (beziehungsweise die der Firma, die Sie mit den Umbauten beauftragen wollen)
  • eine genaue Beschreibung der geplanten Umbaumaßnahmen
  • die Gründe, die die Umbauten erforderlich machen
  • Kostenvoranschläge, soweit vorhanden
  • gegebenenfalls Angaben zu bereits früher erhaltenen Zuschüssen für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

So funktioniert der Antrag für wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen 

Bevor Sie die Wohnraumanpassung in Angriff nehmen, empfiehlt es sich, möglichst viele Informationen zu den anstehenden Umbauten einzuholen. Das betrifft sowohl Kostenvoranschläge als auch Gespräche mit dem Sanitätshaus ihres Vertrauens, damit keine nicht von der Pflegekasse zu finanzierenden Hilfsmittel im Antrag auftauchen und die im Endeffekt bewilligte Summe schmälern.

Die Beiträge zur Pflegeversicherung werden zusammen mit denen für Ihre Krankenkasse erhoben, also zum Beispiel von AOK, Barmer, DAK, IKK,TK oder anderen. Dorthin richten Sie auch den Antrag auf den Zuschuss für wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen. Es genügt ein formloses Schreiben, das neben Angaben zur Person auch eine Beschreibung der notwendigen Umbauten für die Wohnraumanpassung enthält.

Abschließend möchten wir Sie noch auf zwei wenig bekannte Optionen hinweisen, die Ihnen helfen können, Zuschüsse auch dann zu erhalten, wenn Sie es nicht (mehr) erwarten.

  1. Zuschüsse zur Wohnraumanpassung können Sie auf Antrag auch für bereits durchgeführte Maßnahmen erhalten.
  2.  Lehnt die Pflegekasse Ihre Antrag auf Zuschuss ab, muss Sie Ihnen einen entsprechend begründeten Bescheid zukommen lassen. Ziehen Sie gegebenenfalls rechtlichen Beistand hinzu, um einen Widerspruch geltend zu machen.