So unterstützen Sie Ihre Angehörigen mit Multipler Sklerose

Die Diagnose Multiple Sklerose ist nicht nur für die Betroffenen oft ein großer Schock. Auch die Angehörigen sind meist ratlos, wie das Leben nun weitergehen soll. Wird mein Angehöriger nun dauerhaft Hilfe brauchen? Wird sich das Leben nun zum Schlechten hin verändern? Glücklicherweise lässt sich das Leben mit MS oft besser meistern als zunächst vermutet. Ein selbstbestimmter Alltag ist für viele Betroffene definitiv möglich.

Wichtig ist es, sich vor Augen zu führen dass die Krankheit oft nur sehr langsam voranschreitet. Da sie außerdem sehr unterschiedlich verläuft, ist nicht automatisch gesagt, dass es zu dauerhaften massiven körperlichen Einschränkungen kommt. Wer beispielsweise nur leichte Symptome hat, kommt im Alltag meist gut zurecht. Keinesfalls sollten Angehörige resignieren oder in Schockstarre verfallen. Die emotionale Unterstützung des Betroffenen hat nun oberste Priorität und ist meist eine große Hilfe.

Erster Schritt: Eignen Sie sich Wissen an

Hören Bekannte, Verwandte oder Freunde erstmals davon, dass ein geliebter Mensch von MS betroffen ist, macht sich oft eine große Angst breit. Das Nachdenken und Grübeln über die Auswirkungen auf die Zukunft beginnt. Manch einer mag sogar regelrecht in Panik verfallen und schlaflose Nächte durchleben. Die beste Möglichkeit, mit der Angst um einen Angehörigen umzugehen ist es, sich erst einmal Wissen über die Krankheit anzueignen. Viele Befürchtungen können so direkt ad acta gelegt werden und eine realistischere, positivere Sichtweise stellt sich ein. Nahe Angehörige sollten sich klarmachen, dass sie von der Krankheit, wenn auch nicht direkt, ebenfalls betroffen sind. Es ist daher von großer Relevanz, auch möglichst gut über MS Bescheid zu wissen. Lesen Sie sich daher in das Thema ein und machen Sie sich mit häufigen Symptomen und gängigen Verlaufsformen vertraut. Auch die Recherche nach möglichen Therapiemöglichkeiten kann für alle Beteiligten von Nutzen sein. Wichtig ist hier allerdings, die betroffene Person nicht übergriffig zu behandeln, sondern nur soviel Input und Rat zu liefern wie gewünscht.

Das eigene Leben hat Vorrang - Versorgen Sie zunächst einmal sich selbst

Für Angehörige von schwer betroffenen MS-Patienten ergeben sich früher oder später oft große Einschränkungen im eigenen Leben. Vor allem dann, wenn zum Beispiel der Partner pflegebedürftig wird und rund um die Uhr Aufmerksamkeit braucht. Auch Angehörige können in der Folge beeinträchtigende körperliche und psychische Symptome entwickeln. Dazu können zum Beispiel Rückenschmerzen, Migräne, Bluthochdruck, Stress oder Erschöpfung gehören. Das eigene Wohlbefinden sollte aber nicht nachrangig behandelt werden. Es ist extrem wichtig, selbst fit und vital zu bleiben und das eigene Wohlbefinden zur Priorität zu machen. Angehörige haben keine Verpflichtung dazu, sich selbst aufzugeben oder sich in der Pflege eines Angehörigen zu verlieren. Im Gegenteil, um einen reibungslosen Alltag zu ermöglichen, sollten vor allem die Angehörigen auf ihre eigene Gesundheit achten. Psychisch kann der Umgang mit einem MS-Patienten oft sehr belastend sein, vor allem, wenn dieser sehr schwere Symptome zeigt. Zögern Sie daher nicht, sich, wenn nötig, Hilfe zu holen. Es existieren vielerlei Möglichkeiten, sich beraten und unterstützen zu lassen. Es kann außerdem hilfreich sein, sich mit anderen Menschen, die ebenfalls Angehörige einer von MS betroffenen Person sind, auszutauschen.Ratschläge dazu, wie Sie mit der Diagnose Multiple Sklerose und physischen und kognitiven Veränderungen Umgang finden, finden Sie zum Beispiel hier.

Der Umgang mit einer an MS erkrankten Person

Wer von Multipler Sklerose betroffen ist, weiß oft selber nicht, wie er oder sie am besten damit umgehen soll. Für Angehörige ist es wichtig, dies zu verstehen und alle Gefühl des Betroffenen erst einmal so anzunehmen wie sie sind. Angst, Unsicherheit, Wut, Traurigkeit oder Entsetzen – eine Vielzahl an Gefühlen kann die Diagnose MS begleiten. Verzeihen Sie einer betroffenen Person, wenn sie sich unter Umständen anders verhält als zuvor und eventuell anstrengender wird. Oft spielt hier die eigene Wut – „Warum passiert gerade mir so etwas?“ – eine Rolle. Der Umgang mit der neuen Situation will erst einmal erlernt werden.Sollten Sie eine an MS erkrankte Person mit schweren Symptomen in Ihrem Umfeld haben, sollten Sie diese nicht bevormunden. Gerade, wenn jemand viel Pflege und Aufmerksamkeit braucht, macht sich bei den Angehörigen oft Bevormundung breit. Unterbewusst scheinen viele der Meinung zu sein, jetzt auch alle Entscheidungen treffen zu müssen. Um ein gesundes soziales Klima zu erhalten, ist es aber extrem wichtig, dies nicht zu tun. Nehmen Sie der betroffenen Person nicht Ihre Würde, indem Sie sie wie ein kleines Kind behandeln. Versuchen Sie stattdessen, gemeinsame Wünsche und Erwartungen zu erörtern. Es kann sicher mitunter sehr schwierig werden, dies zu tun, wenn Betroffene aus Angst, Wut oder Trauer nicht bereit sind, daran mitzuwirken. Vielleicht wird die Notwendigkeit der Pflegebedürftigkeit auch von vornherein nicht eingesehen. Rechnen Sie damit, dass schwer Betroffene ihre eigene Situation vielleicht gar nicht wahrhaben wollen. Angehörige sollten in solchen Fällen pragmatisch bleiben, mit dem Betroffenen auf Augenhöhe verhandeln und nicht bevormundend agieren.

Suchen Sie sich gegebenenfalls professionelle Unterstützung

Nicht selten kommt es vor, dass Angehörige überhaupt nicht wissen, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen und große Probleme haben. In solchen Fällen – aber auch in allen anderen – sollte rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Dies kann einerseits über die Suche von Anlaufstellen, die sich speziell auf MS und die Angehörigen Betroffener ausgerichtet haben, geschehen. Andererseits wäre auf persönlicher Ebene die Arbeit mit einem Psychotherapeuten möglich.

Überprüfen Sie, ob Sie Förderungen erhalten können. Angehörige von MS-Patienten können, je nach Einzelfall, verschiedene Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen. Es existieren diverse Förderungen finanzieller und praktischer Art. So können Betroffene, die sich in finanzieller Not befinden, einen Antrag auf Einzelfallhilfe stellen – zum Beispiel bei der Caritas. Ist die kranke Person bereits ein Pflegefall, können Pflegegelder beantragt werden. Des Weiteren existieren diverse Stiftungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, an MS erkrankte Personen und deren Angehörige zu fördern und Ihnen Hilfe anzubieten.

Informationen darüber, welche Fördertöpfe in Ihrem individuellen Fall zu Verfügung stehen, liefert auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft.

Balance zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge

Wer sich als Angehöriger um eine von Multipler Sklerose betroffene Person kümmern muss, kommt oft an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, sich selbst nicht zu vergessen. Es ist eine große Aufgabe, einen kranken Menschen zu betreuen und gegebenenfalls sogar die tragende Kraft in dessen Leben zu sein. Das eigene Wohlbefinden sollte allerdings immer an erster Stelle stehen. Niemand muss sich für einen anderen Menschen komplett aufgeben. Die Herausforderung des Umgangs mit einem MS-Patienten besteht also darin, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, beziehungsweise eine Balance zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge zu finden.