Wissenswertes über Multiple Sklerose

Clipboard mit Aufschrift Multiple Sklerose

Die entzündliche Nervenkrankheit Multiple Sklerose stellt für Betroffene und deren Angehörige oft eine große Belastung dar. Während einige Patienten viele Jahre mit nur leichten Symptomen ein selbstbestimmtes Leben führen können, trifft es andere schwer. Angehörige wissen oft nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen und laufen Gefahr, sich selbst zu verausgaben. Eine Balance zwischen Fürsorge und Selbsthilfe zu finden, ist von großer Bedeutung.

 

Was ist Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Das heißt, sowohl das Rückenmark, das Gehirn als auch die Sehnerven können betroffen sein. Autoimmun bedeutet hier, dass der Körper eigene Strukturen angreift. Zellen, die eigentlich Entzündungen verhindern und lindern sollen, machen sich fälschlicherweise über körpereigene Myelinscheiden her und schädigen deren Hüllenschicht. Dadurch kommt es zu einer verschlechterten Weiterleitung von Nervenreizen. Eine intakte Hüllenschicht fungiert wie die Isolierung eines elektrischen Kabels und ist die Voraussetzung für die reibungslose Weiterleitung von Reizen in adäquater Geschwindigkeit. Ist sie defekt, sind Übertragungsfehler, die sich durch die bestimmte Symptome ausdrücken, die Folge.

Multiple Sklerose wird im medizinischen Fachjargon als „Enzephalomyelitis disseminata“ bezeichnet und kann mit „viele Narben“ übersetzt werden. „Viele Narben“ deshalb, da das zentrale Nervensystem in der Regel an vielerlei Stellen Gewebeschäden aufweist. Die daraus resultierenden Beschwerden können dabei äußerst vielfältig sein. So können zum Beispiel neben Lähmungen auch Seh-, Gefühls-, Konzentrations- und Koordinationsschwierigkeiten auftreten. Prinzipiell kann so gut wie jedes neurologische Symptom Teil der Erkrankung sein.

Ursachen

Die Ursache der Krankheit kann nicht genau definiert werden. Tatsächlich scheinen aber klimatische Bedingungen eine Rolle zu spielen, da MS gehäuft in kühlen Klimazonen auftritt. Am Äquator ist ein Auftreten von MS beispielsweise äußerst selten. Je weiter entfernt eine Klimazone vom Äquator ist, desto häufiger kommt Multiple Sklerose vor.

Auch Erbanlagen können die Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken, erhöhen. Da in einem solchen Fall allerdings nur eine Neigung zur Erkrankung und nicht die Krankheit selbst vererbt wird, wird nicht von einer klassischen Erbkrankheit gesprochen.

Schlussendlich werden virale Infektionen, zum Beispiel Masern oder Herpes, Rauchen und der Einfluss des körpereigenen Vitamin-D-Spiegels als mögliche Einflussfaktoren untersucht. Die eine explizite Ursache scheint zum jetzigen Zeitpunkt deshalb nicht definiert werden zu können. 

Welche Symptome treten auf?

Da, wie beschrieben, eine Vielzahl neurologischer Probleme auf die Krankheit hinweisen kann, sind auch die Symptome recht vielfältig. Es gibt nicht den einen charakteristischen Verlauf der Krankheit. Dennoch kommen einige Symptome gehäuft vor. So klagen beispielsweise 30 bis 50 Prozent der Betroffenen über Empfindungsstörungen in den Armen und Beinen als Erstsymptom. Diese äußern sich meist durch Taubheitsgefühle, beziehungsweise sogenanntes „Ameisenkribbeln.“ Ebenfalls sehr häufig kommt es zu Sehstörungen oder einer Einschränkung der Muskelfunktion. Letztere äußert sich oft durch Lähmungen, Steifheit und Kraftlosigkeit. Koordinations-, Schwindel- und Gleichgewichtsprobleme können hinzutreten.

Im weiteren Verlauf der Krankheit können oft auch folgende Symptome hinzukommen:

  • spastische Paresen, verursacht durch eine erhöhte Muskelspannung
  • Blasenentleerungsstörungen, teilweise auch Inkontinenz
  • Darmentleerungsstörungen wie Verstopfung oder seltener auch Stuhlinkontinenz
  • Gelenk- und Muskulaturschmerzen
  • verminderte Geschicklichkeit
  • Sprachstörungen, zum Beispiel verwaschene, undeutliche Sprache
  • Schluckprobleme
  • Fatigue, Müdigkeit
  • allgemeine Kraftlosigkeit
  • Probleme beim Gehen und Stehen, verursacht durch kraftlose Beine
  • psychische Störungen, zum Beispiel Depression und sexuelle Störungen, verminderte Libido (häufig als sekundäre Symptome)

Die Palette möglicher Anzeichen für MS ist also vielfältig.

Wie häufig tritt Multiple Sklerose auf und wer ist betroffen?

Grundsätzlich tritt multiple Sklerose bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. 70 Prozent der Betroffenen sind weiblich. Weltweit leiden ca. 2,5 Millionen Menschen an Multipler Sklerose, in Deutschland um die 200 000. Pro Jahr wird bei ca. 10 000 Menschen erstmals MS diagnostiziert. Oft beginnt die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und betrifft somit zu Beginn vor allem junge Menschen. Seltener ist auch schon ein Beginn der Symptome bei Kindern zu beobachten. Bei älteren Menschen über 60 Jahren wird MS nur selten erstmals diagnostiziert.

Bild Nervensystem

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung. Körpereigene Abwehrzellen greifen die Nervenzellfortsätze an und schädigen so das Nervensystem.

Wie erfolgt die Diagnose?

Eine Diagnose erfolgt meist durch die Anwendung verschiedener Verfahren. Symptome sind oft unspezifisch und können ebenso gut auf andere Erkrankungen hinweisen. Im Grunde geht es primär darum, andere Krankheiten als Ursache für die geschilderten Beschwerden auszuschließen. Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung werden zum Beispiel Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht getestet. Auch eine Untersuchung des Nervenwassers ist möglich und kann Aufschluss über eine möglicherweise vorliegende Entzündung des zentralen Nervensystems liefern. Zur Entnahme wird zumeist eine Hohlnadel zwischen dem zweiten und fünften Lendenwirbel eingeführt.

Im Gehirn zeigen sich bereits in sehr frühen Krankheitsstadien Veränderungen. Daher kann die Anfertigung einer MRT-Aufnahme häufig gute Anhaltspunkte über ein Vorliegen von MS liefern. Entzündungsprozesse sind hier oft bereits sichtbar.

Die hier beschriebenen Diagnoseverfahren erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Zweifel wird immer ein Arzt klären, wie eine Diagnose am besten erfolgt.

Welche Prognosen gibt es?

Grundsätzlich ist Multiple Sklerose nicht heilbar. Je nach Art des Voranschreitens kann die Prognose aber relativ gut sein und die Krankheit nur langsam voranschreiten. Es wird zwischen zwei verschiedenen Verlaufsformen unterschieden. Multiple Sklerose kann sowohl schubförmig als auch chronisch voranschreiten.

Bei den meisten Betroffenen beginnt die Krankheit mit einem Schub. Schub meint hier, dass die Beschwerden plötzlich auftreten und dann über mehrere Tage und Wochen hinweg anhalten. Danach gehen sie allerdings wieder etwas zurück und das Gesamtbefinden bessert sich. Auch, dass die Beschwerden zeitweise komplett verschwinden, ist möglich. Genauso kann es aber in unbestimmten zeitlichen Abständen wieder zum Auftreten neuer Schübe kommen.

Verläuft die Krankheit chronisch, beziehungsweise progredient, so verschlimmern sich die Symptome mit der Zeit, ohne dass zwischendrin eine Besserung auftritt. Bei einem primär progredienten Verlauf beginnt die Krankheit ohne Schübe. Bei einem sekundär progredienten Verlauf setzen anfangs Schübe ein, die sich jedoch mit der Zeit immer mehr chronifizieren und schließlich in einen fortschreitenden Verlauf führen.

Die Tatsache, dass MS nicht heilbar ist, sollte niemanden entmutigen. Es existieren viele Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, die Symptomatik zu verbessern und ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Oft kann Betroffenen so über viele Jahre hinweg ein selbstständiges Leben ermöglicht werden.