Leben mit Rheuma - Anzeichen, Diagnose und Behandlungs-Optionen

Frau sitzt im Sessel und liest

Unter schmerzhaften Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparats leidet etwa ein Viertel der Menschen in Deutschland. Für rund 10 Millionen bedeutet das eine chronische Erkrankung, die behandelt werden muss. Rheuma ist eine der Diagnosen, die bei dieser Symptomatik gestellt wird und bezeichnet Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates, für die weder eine akute Verletzung noch ein Tumor verantwortlich sind. Rheuma steht fälschlicherweise im Ruf einer „Alterskrankheit“. Die rheumatoide Arthritis zum Beispiel wird nicht selten bei 35- bis 45-jährigen Frauen diagnostiziert, außerdem leiden aktuell hierzulande rund 20.000 Kinder an Rheuma. Lesen Sie in diesem Artikel zu Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Rheuma.

Welche Erkrankungen ordnet die Medizin als „rheumatisch“ ein?

Rheuma steht als Sammelbegriff für mindestens 100 (je nach medizinischer Schule sogar für bis zu 400) zum Teil sehr unterschiedliche Krankheiten. Die Medizin unterteilt rheumatische Erkrankungen in vier Kategorien:

 

  1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen, zu denen als häufigste die rheumatoide Arthritis, aber auch bestimmte Entzündungsprozesse im Darm, Lupus oder das Sjögren-Syndrom gehören.
  2. Degenerativ-rheumatische, häufig – aber längst nicht immer – altersbedingte Verschleißerkrankungen wie Arthrosen, bei denen sich Gelenkknorpel und/oder Teile der Wirbelsäule krankhaft verändern.
  3. Chronische Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates und zum Beispiel Karpaltunnelsydrom, Sehnenscheidenentzündung, Tennisarm, chronische Rückenschmerzen. Außerdem der Formenkreis des sogenannten Weichteilrheumatismus, zu dem manche Fachärzte auch die Fibromyalgie zählen.
  4. Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden, etwa Gicht und Osteoporose.

Mögliche Ursachen von rheumatischen Erkrankungen

Was genau rheumatische Erkrankungen verursacht, ist längst nicht für alle geklärt. Zu den Dispositionen, die mit Rheuma in Verbindung gebracht werden, zählen:

Störungen des Immunsystems

Vor allem im Bereich der entzündlich-rheumatischen Autoimmunerkrankungen steckt die Forschung im Grunde nach wie vor in den Kinderschuhen. Immerhin weiß man heute, wie der Teufelskreis funktioniert, der dem Körper chronische beziehungsweise immer wiederkehrende Entzündungen aufzwingt: Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Immunsystem identifiziert körpereigenes Gewebe als schädlichen Eindringling, den es abwehren und vernichten muss. Es produziert kontinuierlich oder zumindest schubweise Antikörper und bestimmte Botenstoffe, die für schwere Entzündungen sorgen. Über kurz oder lang kann das zur Schädigung oder gar Zerstörung von Gelenken, aber auch von Knochen und Weichteilen führen.

Erbliche Belastungen

Entzündlich-rheumatische Autoimmunerkrankungen treten nicht selten familiär gehäuft auf; die Forschung konnte genetische Marker identifizieren, die mit einem erhöhten Rheuma-Risiko verbunden sind.

Durch Bakterien oder Viren ausgelöste Infektionen

  1. Manche Krankheitskeime (zum Beispiel Staphylokokken und Streptokokken) wandern über die Blutbahnen in die Gelenke, siedeln sich dort an und verursachen Entzündungen direkt vor Ort.
  2. In anderen Fällen registriert das Immunsystem Teile von Krankheitserregern in den Gelenken. Es beginnt sie zu bekämpfen, obwohl die eigentliche Erkrankung den Darm oder ein anderes Organ betrifft.

Stoffwechselstörungen

Diabetes, Osteoporose und Gicht können die Versorgung von Gelenkknorpeln beziehungsweise Knochen mit Nährstoffen behindern oder Ablagerungen in den Gelenken verursachen. Unbehandelt münden Störungen des Stoffwechselgeschehens in zerstörerische chronische Entzündungen.

Mechanische Ursachen

Übergewicht, Fehlstellungen der Beine oder einseitige Haltung bzw. Beanspruchung von Körperpartien sowie Bewegungsmangel können die Entstehung von Arthrosen begünstigen.

Diese Symptome deuten auf Rheuma hin

Das häufigste Anzeichen: Gelenkschmerzen

Rheumatische Erkrankungen machen sich typischerweise durch anhaltende, meistens stärker werdende Schmerzen in den Zehen-, Finger- und/oder Handgelenken bemerkbar. Allerdings können auch größere Gelenke wie Knie, Sprunggelenk, Ellenbogen, Schultern, Hüfte und die Halswirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Weil sich im Laufe des Entzündungsprozesses vor Ort Flüssigkeit ansammelt, sind die Gelenke nicht selten deutlich angeschwollen. Oft fühlen sie sich warm an.

Treten die Schmerzen und Schwellungen symmetrisch, also an beiden Körperseiten auf (zum Beispiel an linker und rechter Hand), besteht der Verdacht auf die Autoimmunerkrankung rheumatoide Arthritis. Schmerzt nur eine einzelne Körperpartie – etwa das rechte Schultergelenk – könnte eine degenerative (verschleißbedingte) Arthrose vorliegen. Beide Erkrankungen fallen unter den Begriff „Rheuma“ (siehe oben), unterscheiden sich jedoch sowohl im Verlauf als auch in der Behandlung erheblich.

Rheuma – Symptome auf einen Blick

Gelenkschmerzen

  • Anhaltende, meist stärker werdende Schmerzen in den Zehen-, Finger- und/oder Handgelenken.
  • Gelenkschmerzen im Knie, Sprunggelenk, Ellenbogen, Schultern, Hüfte oder Halswirbelsäule.
  • Die Gelenke sind oft angeschwollen oder fühlen sich warm an.
  • Schmerzt nur eine Seite könnten die Symptome auf eine degenerative (verschleißbedingte) Arthrose hinweisen.
  • Tritt der Schmerz symmetrisch auf, könnte eine rheumatoide Arthritis vorliegen.

Rheuma - Symptome auf einen Blick

Bewegungseinschränkungen

  • Steifheit der Gelenke.
  • Probleme mit der Feinmotorik.
  • „Morgensteifigkeit“ mit einer Dauer von mehr einer Stunde kann auf eine rheumatoide Arthritis hindeuten.
  • „Morgensteifigkeit“ mit einer Dauer von bis einer Viertelstunde ist eher ein Anzeichen für eine Arthrose.
  • Achten Sie auf Einschränkungen bei täglichen Arbeiten wie Zuknöpfen oder Handarbeiten – eine Einschränkung kann ein Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung sein.

Rheumatisch bedingte Bewegungseinschränkungen

Neben Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit durch die Schwellungen klagen Rheumapatienten häufig über eine Steifheit der Gelenke und Probleme mit der Feinmotorik. „Morgensteifigkeit“, die eine Stunde oder sogar länger anhält, ist eine typische Begleiterscheinung der rheumatoiden Arthritis. Anders bei der Arthrose: auch hier kann es vorkommen, dass die Gelenke morgens steif sind, meistens legt sich das jedoch spätestens nach einer Viertelstunde. Rheumatische Beschwerden können sich auch in Problemen mit dem Zuknöpfen von Hemd oder Bluse zeigen. Tätigkeiten, die Fingerfertigkeit erfordern wie zum Beispiel Handarbeiten, feinmechanische Tätigkeiten oder Zeichnen sind bei fortgeschrittener (und vor allem unbehandelter) Erkrankung oft nicht mehr möglich.

Die Diagnose rheumatischer Erkrankungen

Rheuma verläuft in den meisten Fällen chronisch, also nicht heilbar. Mit der richtigen Behandlung lassen sich schmerzhafte entzündliche Prozesse und ihre Auswirkungen jedoch sehr oft erfolgreich eindämmen. Entsprechend der Vielfalt und Komplexität der rheumatischen Krankheitsbilder gehören sorgsame Diagnose und wiederholte Kontrolluntersuchungen zu den wichtigsten Faktoren für eine auch langfristige Verbesserung der Lebensqualität.

Zu Beginn der Diagnose stehen immer eine präzise Anamnese sowie die körperliche Untersuchung: 

  • Wie genau und seit wann machen sich Schmerzen und Einschränkungen bemerkbar?
  • Wie viele und welche Gelenke sind betroffen?
  • Treten die Symptome symmetrisch links und rechts am Körper auf?
  • Kommt es zu Morgensteifigkeit und wie verläuft sie?
  • Bessert oder verschlechtert sich das Befinden durch Bewegung?
  • Gibt es weitere Beschwerden, zum Beispiel Müdigkeit, Erschöpfung, diffuses Schmerzempfinden?
  • Wie reagiert das Gelenk auf Druck?

Labortests, darunter die Blutsenkungsmessung, zeigen die Virulenz der Entzündung(en) an. Andere Untersuchungen dienen der Bestimmung des Rheumafaktors und der Antikörper. Bildgebende Verfahren, zum Beispiel Magnetresonanztomographie oder Ultraschall, ermöglichen den Aufschluss darüber, inwieweit und welche Gelenke, gegebenenfalls auch Sehnen, Muskeln, Organe oder Blutgefäße betroffen sind.

Rheumatherapie – eine systemische Aufgabe

Die meisten Rheumapatienten sind lebenslang auf Medikamente angewiesen. Eine Anpassung der Lebensweise kann jedoch helfen, das Entzündungsgeschehen einzudämmen und, im besten Fall, sogar zumindest zeitweise zum Stillstand zu bringen.

Medikamente

Rheuma befällt häufig nicht nur Gelenke, sondern auch weiches Gewebe, zum Beispiel Muskeln, Sehnen, Blutgefäße und/oder Organe. Je aktiver die Entzündung im Körper wütet, desto stärker müssen auch die Medikamente sein, die die Krankheit in Schach halten. Abhängig von der Diagnose werden Schmerzmedikamente, Kortisonpräparate (zur Eindämmung von Entzündungen) und/oder sogenannte Basismedikamente verschrieben. Letztere sollen das Voranschreiten der Erkrankung aufhalten oder zumindest verlangsamen. In schweren Fällen von rheumatoider Arthritis beispielsweise erhalten die Patienten neben einem Analgetikum auch Kortison sowie ein Krebspräparat. In der Folge durchleiden die meisten Betroffenen all die Nebenwirkungen, die diese Medikamente mit sich bringen, darunter Gewichtszunahme, Übelkeit und Müdigkeit.

Die Rolle der Ernährung

Zwar ist in jedem Fall eine individuelle Ernährungsberatung sinnvoll, weil sie die Lebensumstände, die körperlichen Voraussetzungen und das Krankheitsbild des Patienten berücksichtigt. Allerdings gibt es hilfreiche Grundregeln zur Ernährung bei allen rheumatischen Erkrankungen. Dazu gehört ein eingeschränkter Konsum von tierischen Fetten und tierischem Eiweiß, da diese das Immunsystem zusätzlich anheizen.

Beruhigend auf eine aus den Fugen geratene körperliche Abwehr wirkt im Allgemeinen die Umstellung der täglichen Ernährung auf

  • rund 500 Gramm Obst und Gemüse (insbesondere grüne Blattgemüse)
  • Omega-3-reiche Öle wie Leinöl, Olivenöl, Nussöle
  • Nüsse und andere pflanzliche Proteinlieferanten
  • geringe Mengen tierisches Eiweiß (zum Beispiel gelegentlich Fisch oder fettarmes Hühnerfleisch)
  • fettarme Milchprodukte

Am besten ganz wegfallen sollten rotes Fleisch, die meisten tierischen Fette, Sonnenblumen- und Palmöl sowie raffinierte Öle.

Das richtige Maß an Bewegung

Physio- und Ergotherapie helfen, Beweglichkeit zurückzugewinnen und beugen im Optimalfall weiteren Schädigungen der Gelenke vor. Es kommt jedoch stets auf die Diagnose, das heißt auf die Erscheinungsform der jeweiligen rheumatischen Erkrankung an: Bei der rheumatoiden Arthritis zum Beispiel wirkt Bewegung im Allgemeinen wohltuend, während sie bei einer handfesten Arthrose ausgesprochen schmerzhaft sein kann und vorbereitender, sanfterer Maßnahmen bedarf.

Anspruch auf Rehabilitation bei einer rheumatischen Erkrankung

Entsprechend dem breit gefächerten Spektrum an Rheuma-Krankheitsbildern sind viele verschiedene Maßnahmen zur Rehabilitation möglich beziehungsweise sinnvoll. Genügen ambulante Behandlungen nicht, um die Gesundheit so weit wie möglich wiederherzustellen, übernehmen Krankenkasse oder Rentenversicherung im Normalfall die Kosten der medizinischen Rehabilitation. Am besten stellen Sie den Reha-Antrag gemeinsam mit Ihrem Arzt.

Wichtig: Geben Sie nicht auf, wenn ein negativer Bescheid ins Haus flattert, sondern legen Sie Einspruch ein und lassen Sie sich bei der nachdrücklicheren Formulierung Ihres Anspruchs erneut vom Arzt oder in einer Einrichtung wie Caritas oder Arbeiterwohlfahrt helfen.

Anspruch auf Pflegegrad

Je nach Stadium und Ausprägung der Erkrankung könnte Ihnen ein Pflegegrad zustehen. Sollte der Verdacht auf Anspruch bestehen, können Sie einen formlosen Antrag bei Ihrer Kranken- oder Pflegekasse einreichen. Der Antrag sollte von der betroffenen Person selbst oder vom Bevollmächtigten gestellt und unterschrieben werden. Anschließend bekommen Sie das offizielle Formular zugesendet. Stellen Sie den Antrag so früh wie möglich – für den Leistungsbeginn ist der Eingang des Antrags entscheidend, nicht der Beginn der Pflegebedürftigkeit.

Wenn Sie bereits einen Pflegegrad haben, haben Sie Anspruch auf eine Vielzahl von Leistungen. Neben Pflegehilfsmittel und technischen Hilfsmitteln, stehen Ihnen auch 4.000 Euro für wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen zu.

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Vorsorge – für Rheumapatienten (über)lebenswichtig

Leider steigt besonders für Patienten mit entzündlichen Autoimmunerkrankungen – wie etwa bei rheumatoider Arthritis, rheumatischem Fieber oder chronischen Bindegewebs-/Gefäßentzündungen – die Gefahr anderer ernster Erkrankungen. Ist der Körper bereits durch ein überbordendes Immunsystem geschwächt, braucht es oft nur wenig zusätzlichen Stress, um weitere Malaisen anzulocken. So liegt zum Beispiel das Herzinfarkt-Risiko für Rheuma-Patienten um knapp 50 Prozent höher als für Menschen ohne diese Vorerkrankung.

Hinzu kommt, dass es noch keine Möglichkeit gibt, einer rheumatischen Erkrankung gezielt vorzubeugen (einzig Übergewicht und Rauchen gelten als eindeutige Risikofaktoren). Je früher Rheuma entdeckt und behandelt wird, desto nachhaltiger lässt sich der Verlauf der Erkrankung beeinflussen, weshalb ein regelmäßiger Check beim Arzt empfohlen ist.