Kleines Bad behindertengerecht umbauen

Badezimmer wurden früher oft stiefmütterlich behandelt – was die Barrierefreiheit, den Aspekt des Wohlbefindens und vor allem was die Größe angeht. Das ist nicht verwunderlich, denn das Badezimmer stellte lange einen reinen Funktionsraum dar. Bad-Besitzer stehen aber nun vor der Herausforderung, wenn Sie ihr kleines Bad behindertengerecht umbauen müssen. Aber es ist durchaus möglich. Um ein Bad von nur drei oder vier Quadratmetern Größe behindertengerecht oder altersgerecht umzubauen, gibt es einige wertvolle Tipps.

Kostengünstige Lösungen vorziehen – Teilsanierung erzeugt häufig den nötigen Effekt

Bevor Sie beginnen, Wände zu versetzen oder herauszureißen, sollten Sie sich über weniger kostenintensive Maßnahmen Gedanken machen. Das Herausreißen einer Wand ist unter anderem wegen der in der Wand verborgenen Rohrinstallationen die letzte Option. Besonders heikel gestaltet sich das Versetzen tragender Wände, in diesem Fall ist ein Statiker hinzuzuziehen. Sollten Sie Mieter sein, hat zusätzlich Ihre Hausverwaltung ein Wörtchen mitzureden und bringt da sicherlich eigene Vorstellungen mit. Wie Sie Ihr kleines Bad trotzdem altersgerecht gestalten können? Die weitaus günstigere Alternative besteht darin, geeignete Sanitärobjekte anzuschaffen und diese sinnvoll anzuordnen, wodurch viel Platz gewonnen werden kann.

Weitblickende Entscheidungen bei der Wahl der Sanitär-Objekte

Sanitär-Objekte können zugleich formschön und zweckmäßig sein. Wenn Sie heute ein Badezimmer planen oder das vorhandene Bad umgestalten, sollten Sie weitblickende Entscheidungen treffen. Sie können schon heute Ihr kleines Bad behindertengerecht umbauen beziehungsweise einrichten, auch wenn die Notwendigkeit vielleicht überhaupt noch nicht gegeben ist. Ein altersgerecht ausgestattetes Bad kommt später eventuell auch Ihnen zu Gute: Berührungslose Armaturen sind hygienisch und sehr einfach zu bedienen. Der Temperaturbegrenzer an den Armaturen schützt nicht nur ältere Menschen, sondern auch Kinder. Ein Wand-WC anstelle des Stand-WCs erleichtert die Reinigungsarbeiten. Das Waschbecken sollte in der Höhe so angebracht werden, dass man mit einem Rollstuhl direkt darunter fahren kann. Das erspart spätere Umbauarbeiten.

kleines badezimmer behindertengerecht umbauen mit WC und unterfahrbarem Waschbecken
Barrierefreiheit auch im kleinen Bad: z.B. mit einem unterfahrbaren Waschbecken

Der Vorteil sich frühzeitig um das altersgerechte Bad zu kümmern: Sie geraten nicht in Zeitdruck und sind womöglich in der Lage wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Farben und Kontraste

Im Gegensatz zu früher, als das Bad noch ein Zweckraum war, halten sich Menschen immer länger dort auf. Das Bad wird mehr und mehr zu Nutzraum. Menschen entscheiden sich für ausgefallene, dem Auge wohltuende Wandverkleidung, verteilen Blumen und Kerzen im Bad, installieren unterschiedliche Lichtquellen. Das alles für den Wohlfühlfaktor bei der Körperhygiene. Es liegt an uns, das Badezimmer zu einem Wohlfühlort zu machen, einem Ort, den man nicht nur aufsucht, um die Körperhygiene durchzuführen, sondern an dem man sich gern aufhält. Ein Ort, der nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut tut. 

kleines Bad behindertengerecht umbauen - mit Farben in Form von Blumen oder Waschlappen für den Kontrast
Kontraste können schon mit kleinen Farbelementen geschaffen werden

Das erreichen Sie durch einen durchdachten Einsatz von Farben und Kontrasten. Vor allem ältere Menschen oder Menschen mit einer Sehschwäche und mit kognitiven oder geistigen Beeinträchtigungen können sich gut an den Farben orientieren. Wohltuende Kontraste bilden weiß und blau, so wie ein weißes Wand-WC, das rechts und links kräftig blaue – und damit gut sichtbare – Haltegriffe aufweist. Wobei alle möglichen Farben und Kontraste kombiniert werden können. Die entsprechende Deko, die sich in Duschvorhang oder Fenstervorhängen weiterführen lässt, rundet das Bild ab.

Badezimmer mit WC, Waschbecken und großer Dusche
Altersgerechter Umbau: Aus der Badewanne wird eine geräumige Dusche

Dusche oder Badewanne?

In einem behindertengerechten Bad, auch wenn es klein ist, muss nicht auf eine Badewanne verzichtet werden. Wenn Ihnen das Baden weiterhin gut tut, können Sie Ihre heißgeliebte Wanne altersgerecht gestalten. Das ist möglich, indem Sie eine Badewannen-Tür einbauen lassen oder Ihre Wanne komplett gegen eine neue Wanne mit Tür ersetzen. Kostentechnisch unterscheiden sich beide Basisvarianten kaum. Zusätzlich gibt es diverse Hilfsmittel wie Stütz- und Haltegriffe, Wanneneinstiegshilfen oder einen kompletten Badewannenlift. 

Wenn Sie jedoch nicht so viel Wert aufs Baden legen oder es für Sie gar unmöglich geworden ist eine Wanne zu besteigen, ist der Umbau zu einer Bodennahen oder bodengleichen Dusche ratsam. Ob Sie eine handelsübliche bodennahe Duschtasse verwenden oder den Bodenbereich ebenerdig und mit rutschfesten Fliesen ausstatten lassen, obliegt ihrem persönlichen Geschmack und ihren finanziellen Möglichkeiten. Sinnvoll sind beide Alternativen. Die entsprechenden Duscharmaturen sind meist schon als Komplettset mit Duschstange, Brausekopf und -schlauch sowie Haltegriffen erhältlich.

Fliesenarbeiten

Während es früher üblich war, das Badezimmer raumhoch zu verfliesen, ist man heute dazu übergegangen, nur dort Fliesen zu verwenden, wo die Wände vor Spritzwasser geschützt werden müssen. Das bringt Vorteile, wenn Sie ihr  Bad behindertengerecht umbauen. Fliesenarbeiten sind zeit- und kostenaufwendig. Beschränken Sie sich auf die notwendigen Bereiche wie Dusche und halbhoch hinter dem Waschtisch und WC. Dies sind die besonders beanspruchten Teilbereiche. Der Boden dagegen sollte im ganzen Bad gefliest sein. Aber es ist darauf zu achten, dass die Bodenfliesen rutschfest sind. 

Waschtisch mit Spiegel und rundem Waschbecken
Als Spritzschutz völlig ausreichend und funktional: Fliesen nur bis zur Hälfe der Wand

Wenn Sie beim Umbau des Bades die Bodenfliesen nicht erneuern möchten, können Sie diese auch mit einer speziellen Beschichtung versehen. Das ist übrigens auch in gemieteten Wohnungen problemlos möglich, denn es sind spezielle Lösungsmittel erhältlich, mit denen sich diese nachträglich aufgebrachten rutschhemmenden Beschichtungen rückstandsfrei entfernen lassen. Es ist auch möglich, auf vorhandene Fliesen weitere Fliesen aufzubringen. Das spart einerseits Zeit und Geld, weil die vorhandenen Fliesen nicht entfernt werden müssen. Andererseits wird der Fliesenbelag dadurch dicker und es geht Grundfläche im meist ohnehin kleinen Bad verloren.

Checkliste - Kleines Bad behindertengerecht umbauen

Sinnvolle Raumaufteilung

Wenn Sie ein kleines Bad behindertengerecht umbauen möchten, sollten Sie die vorhandenen Gegebenheiten sinnvoll ausnutzen. Die intelligente Anordnung der Sanitärobjekte bringt entscheidende Vorteile und erspart unter Umständen teure weiterführende Baumaßnahmen wie das Versetzen von Wänden. Bei einem länglichen Schnitt des Raumes und der Tür an der Stirnseite bietet es sich beispielsweise an, WC und Waschbecken nebeneinander anzuordnen, im hinteren Bereich findet die Dusche Platz. Ist die Türöffnung mittig in einer Längswand angebracht, können auf der einen Seite WC und Waschbecken nebeneinander angeordnet werden, auf der gegenüberliegenden Seite wird die Dusche eingeplant. Lassen Sie sich am besten von einem Profi beraten.

Die Finanzen

Wer ein kleines Bad behindertengerecht umbauen möchte, muss recht nicht tief in die Tasche greifen. Während Sie im Fall eine Vollbadsanierung mit Kosten ab 10.000 Euro rechnen müssen, finden sich häufig kostengünstige Umbau-Varianten im Bereich der Teilsanierung. Der Umbau einer Badewanne zur bodennahen Dusche kostet in der Basisvariante mit Duschabtrennung ab 4.000 Euro.  Die Pflegekasse gewährt einen Zuschuss bis zu 4.000 Euro für wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen ab Pflegegrad 1, wenn Sie Ihr Bad altersgerecht sanieren wollen, und zwar ohne Eigenanteil. Wichtig ist, dass der Zuschuss pro Person gilt. Wohnen mehrere pflegebedürftige Personen in einem Haushalt, können die Zuschüsse mehrfach beantragt werden, die Obergrenze liegt bei 16.000 Euro. Beachten Sie unbedingt, dass der Antrag vor Beginn des Umbaus zu stellen ist. Der Antrag muss häufig zusammen mit einem Kostenvoranschlag eingereicht werden.

Zusätzlich können Sie Anträge auf Kostenzuschüsse für Hilfsmittel bei Ihrer Pflegekasse stellen. Dies betrifft Hilfsmittel wie Haltegriffe, einen Badewannenlift oder Duschstuhl. Die Hilfsmittel können Sie sich von Ihrem Arzt verschreiben lassen.

KfW-Förderprogramme: Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet eine Förderung für barrierefreie Bäder an. 

Hier erhalten Sie einen Überblick über alle Förderungen für den Badumbau, auf Sie Anspruch erheben können.

Mit Hilfe der Zuschüsse, Hilfsmittel und Förderprogramm können auch Sie Ihr Umbau-Projekt erfolgreich abschließen, ohne mit hohen Eigenleistungen belastet zu werden. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Umbau und beraten Sie gerne zu Ihren Möglichkeiten.